Preusker Bibliothek e.V.
Karl-Preusker-Bücherei
K. B. Preusker
 
  Karl Benjamin Preusker war der Begründer der ersten deutschen Volksbücherei  
 
 

Auf den zweiten Blick

Wir haben einen Koffer in Berlin

Ausstellung im Eingangsbereichoder wie die Sammlung Karl Benjamin Preuskers nach Großenhain zurückkehrte.

1952 hatte das vom ZK der SED neu gegründete Museum für Deutsche Geschichte ein Problem: Es hatte seinen Sitz im Zeughaus in Berlin und ein klar formuliertes Ziel: die Vermittlung des marxistisch-leninistischen Geschichtsbildes. Aber: Es hatte keine eigene Sammlung. Da der "Urgesellschaft" im Rahmen der von Engels postulierten Entwicklung der Menschheit in der Ausstellungskonzeption ein hoher Stellenwert zukommen sollte, musste man eine archäologische Sammlung "beschaffen". In der Folge wurden einschlägige Museen der DDR unter mehr oder weniger massiven Druck gesetzt, geeignete Bestände nach Berlin zu überführen.

Werner Coblenz, der damalige Direktor des Landesmuseums für Vorgeschichte in Dresden, kein Freund der herrschenden Ideologie, widersetzte sich dem Druck, sächsische Bestände nach (Ost-)Berlin zu überstellen. Dennoch musste auch er weichen und gab dem neu gegründeten Museum 1952 und 1957 insgesamt 320 Objekte als Leihgabe. Darunter waren viele Stücke aus der Gründungsphase unseres Museums, vor allem aus der Sammlung von Karl Benjamin Preusker, die auch zahlreiche Funde aus dem westlichen Deutschland umfasste. Diese glaubte Coblenz zumindest, zeitweise entbehren zu können.

Als im September 1990 das ideologisch überständige Museum für Deutsche Geschichte durch einen Beschluss der DDR-Volkskammer aufgelöst wurde, waren die Bestände (aus Berliner Sicht) plötzlich "herrenlos". Doch dieser Zustand fand rasch eine "Lösung": Das anlässlich der 750-Jahrfeier Berlins am 28. Oktober 1987 von Helmut Kohl gegründete Deutsche Historische Museum übernahm mit dem Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 sowohl die Sammlungen als auch das Grundstück des ehemaligen Museums für Deutsche Geschichte. Da jedoch die Museumskonzeption des neuen Hauses für die Vorgeschichte keinen Platz vorsah, empfand man die archäologischen Funde plötzlich als überflüssigen "Ballast" und reichte diese 1990/91 an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz weiter! Keiner dachte daran, die eigentlichen Eigentümer über diese wundersame Wanderung zu informieren.

Doch in Sachsen ließ man diese "kalte Übernahme" nicht auf sich beruhen. Nach zähem und langwierigem Ringen gelang schließlich die Rückführung an den rechtmäßigen Eigentümer. Am 1. Juni diesen Jahres konnten 276 der 300 noch ausgeliehenen Exponate nach Dresden zurückgebracht werden. 24 Objekte, immerhin 8 % des Bestandes, fehlten bei der Übergabe. Leider auch Stücke aus der Sammlung Preusker. Wo sind sie geblieben?

Hier in der alten Großenhainer Bibliothek von Karl Benjamin Preusker wurde nun zum ersten Mal ein Teil dieser Funde, die alle aus seiner berühmten Sammlung stammen, gezeigt. Sie sind ein hochrangiges wissenschaftsgeschichtliches Zeugnis, das in die Anfänge systematischer archäologischer Forschung zurückführt.

 
 
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